Der Lungenfunktionstest bei Verdacht auf Atemwegserkrankungen

Von Dr. med. Jörg Odewald

Symptome wie Husten, Luftnot und Auswurf haben ihre Ursachen häufig in Erkrankungen der Lunge. Aber auch bei Brustschmerzen sollte man nicht nur an das Herz, sondern auch an die Lunge denken und das EKG durch einen Lungenfunktionstest ergänzen.

Ein Lungenfunktionstest, wie beispielsweise die Spirometrie, sollte grundsätzlich durchgeführt werden, wenn ein begründeter Verdacht auf eine Atemwegserkrankung besteht. Er ist ein wichtiges Instrument für die Diagnose und Verlaufskontrolle von Erkrankungen der Atemwege und kann bei fast jedem Hausarzt durchgeführt werden. Insbesondere Raucher und Menschen, die lange geraucht haben, sollten sich in regelmäßigen Abständen testen lassen.

Die Spirometrie misst in erster Linie die Flussgeschwindigkeit und das Luftvolumen. Über ein Mundstück atmet der Patient auf eine ganz bestimmte Art und Weise in eine Apparatur ein bzw. aus und folgt dabei genauen Kommandoanweisungen der medizinischen Assistentin. Zusätzlich zu den Messungen von Luftfluss und Luftvolumen zeigt eine graphische Darstellung die individuelle Fluss-Volumenkurve bei der Aus- und Einatmung. Messwerte und  Kurvenverlauf lassen Rückschlüsse zu, ob eine Obstruktion, d.h. eine Einengung der Bronchien, und /oder eine Restriktion, d.h. eine Verkleinerung des verfügbaren Lungenvolumens, vorliegt. Daraus lassen sich wiederum Rückschlüsse auf die Art und Schwere einer möglichen Erkrankung ziehen.  Ob es sich zum Beispiel um ein allergisches oder durch einen Infekt hervorgerufenes Asthma handelt, oder um eine chronisch obstruktive Raucher-Bronchitis. Ist die Krankheit diagnostiziert, kann mittels Lungenfunktionstests dann auch der Verlauf der Erkrankung und die Wirksamkeit der Behandlung überprüft werden. Viele Asthmatiker besitzen einen sogenannten Peak-Flow-Meter. Das handliche Gerät misst (über das Mundstück und einen Federmechanismus) die maximale Atemstromstärke und erlaubt so dem Patienten, die Wirksamkeit seiner Medikation zu beurteilen und gegebenenfalls, nach ärztlichem Plan, die Dosierung zu verändern.

Sind im Rahmen der Untersuchung für Diagnosestellung und Verlaufsbeurteilung noch detailliertere Messdaten von Nöten, kann der Patient zum Pneumologen , dem Facharzt für Lungenheilkunde, überwiesen werden. Der Pneumologe kann die Bodyplethysmographie durchführen, während der der Patient, in einer geschlossene Kabine sitzend, nach Anweisung verschiedene Atemmanöver durchführt. Darüber hinaus ist die Blutgasanalyse, d.h. die Untersuchung von arteriellem Blut auf Sauerstoff, Kohlendioxid, Säure-Basen-Haushalt etc., ein wichtiger Bestandteil der Beurteilung der Lungenfunktion. Auch eine klassische Röntgen-Thoraxaufnahme kann nach Bedarf die Untersuchung ergänzen. Sollten darüber hinaus noch weitere Fragestellungen offen bleiben, sind eine Computertomographie, eine Bronchoskopie (eine endoskopische Bronchienspiegelung) und eine endosonographisch gesteuerte oder offene Lungenbiopsie zur Gewebegewinnung weitere Mittel der Wahl.