Medizin im Gespräch

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Akupunktur in der hausärztlichen Praxis

Von Dr. med Claus-H. Schradin

Akupunktur, eine komplementärmedizinische Therapie, hat spätestens nach der Aufnahme in die kassenmedizinische Versorgung (für die Krankheitsbilder “chronischer Rückenschmerz“ und „chronischer Knieschmerz“) einen festen Platz in der medizinischen Versorgung der Bevölkerung in Deutschland eingenommen.
Dies ist umso erstaunlicher, da die Wirkung von Akupunktur vielerorts mit einem Placeboeffekt (Scheinwirksamkeit) gleichgesetzt wird. Gleichwohl haben viele Millionen Bundesbürger schon eigene, meist positive Erfahrungen mit dieser Therapie gemacht, und etwa 15.000  Ärzte  praktizieren  in Deutschland die Akupunktur regelmäßig.

Akupunktur in der hausärztlichen Praxis Liest man die Fachbücher, so ist die Verwirrung beim Leser über komplizierte Meridianverläufe (Energiebahnen), Energiezuständen wie Fülle und Leere, Wind- und Kältekrankheiten und den Einfluss von Wasser, Erde, Feuer und Luft bald groß. Nachvollziehbarer ist die Vorstellung, dass Akupunktur angewandte Neurophysiologie ist und somit unser unbewusstes vegetatives Nervensystem heilend zu beeinflussen vermag. Akupunkturpunkte sind auf Grund ihrer unterschiedlichen elektrischen Ladung von ihrer Umgebung abgrenzbar. Sie finden sich häufig am Durchtritt von Nerven aus der Tiefe des Körpers an die Oberfläche. Steche ich eine Nadel in einen Akupunkturpunkt, so kommt es zu einem Potentialausgleich zwischen dem Punkt und seiner Umgebung und zum Fließen eines kleinen elektrischen Stromes, welcher über Nerven  zu den gestörten  Körperregionen abgeleitet wird. Hier kommt es u.a. zu Reaktionen wie Überwärmung und Gefäßweitstellung, Muskelentspannung, Schmerzlinderung und Entsäuerung. So greift der Therapeut  dämpfend oder stimulierend, immer aber nur anstoßend,  in die körpereigene Regulation ein.

Einsatzgebiet der Akupunktur ist beispielsweise die Schmerztherapie. Behandelt werden aber auch Allergien, Migräne, Immunschwäche, unklare Müdigkeitssymptome, Wechseljahresbeschwerden, Zyklusstörungen, Blasenschwäche und Reizdarm, um nur einige zu nennen. Neben der klassischen Körperakupunktur hat sich die Ohrakupunktur nach Nogier/Bahr in Europa entwickelt, die das Störfeld als Krankheitsauslöser in die Akupunktur eingeführt hat. Störfelder, wie zum Beispiel beherdete Zähne (toter Zahn, vereiterter Zahn, Amalgamfüllung), lassen sich mit der Ohrakupunktur sicher auffinden. Mit dieser Methode können aber auch Medikamente, verwendete Zahnmaterialien und Unverträglichkeiten ausgetestet werden.

Akupunktur in der hausärztlichen PraxisAusgenommen bei chronischen Rücken- und Knieschmerzen, ist Akupunktur immer eine vom Patienten selbst zu zahlende Therapie (IGEL-Leistung). Die Dauer der einzelnen Behandlung und die Anzahl der Anwendungen sind individuell auf den Patienten und seine Erkrankung zugeschnitten. In der Regel werden nicht mehr als 10 Sitzungen benötigt. Der Umfang der Therapie bestimmt auch den Preis, der zwischen 50 und 100 Euro für eine Einzelbehandlung liegt.

Die Akupunktur ist eine individuelle und patientenzugewandte, wirkungsvolle Therapieform. Sie spart Medikamente, ist nebenwirkungsarm und lässt sich sehr gut in den Praxisablauf integrieren. Welche Praxen im Praxisnetz Hochtaunus Akupunktur in Diagnostik und Therapie anbieten, erfahren Sie über das Netzbüro.

Vorsorge-Koloskopie (Darmspiegelung)

Von Dr. med. Gerhard Clasen

Man glaubt es nicht! Nur etwa jeder sechste Berechtigte lässt sich im Alter zwischen 55 und 65 Jahren mit einer Darmspiegelung zur Vorsorge und Früherkennung von Darmkrebs untersuchen.

  • Obwohl der Darmkrebs immer noch die zweithäufigste Krebserkrankung bei Frauen und Männern ist
  • Obwohl es jährlich 65.000 neue Erkrankungen gibt und 27.000 Menschen daran sterben.
  • Obwohl man diese Krebsart zu fast 100 Prozent verhindern kann:  Krebsvorstufen (gutartige Wucherungen der Darmschleimhaut, sogenannte Polypen)  können während der Spiegelung gleich entfernt werden, sodass der Darm dann „saniert ist“!
  • Obwohl man diese Krebsart, im Frühstadium entdeckt, zu fast 100 Prozent heilen kann
  • Obwohl die Krankenkasse (gesetzlich wie privat) alle Kosten übernimmt.

Es gibt Bedenken, sich einer solchen Untersuchung zu unterziehen, die ich verstehe: Das Schamgefühl, die Furcht vor dem „Abführen“. Auch die Angst vor möglichen Schmerzen oder gar Verletzungen verunsichern. Hier kann ich beruhigen. Die Untersuchung ist völlig schmerzfrei, wenn man sich eine Spritze geben lässt. Das Risiko durch eine Darmspiegelung verletzt zu werden ist sehr gering, die Gefahr, ohne Untersuchung an Darmkrebs zu erkranken dagegen sehr hoch.

Denken Sie daran, dass man die Krebserkrankung an Anfang nicht spürt. „Mir geht es doch gut, meine Verdauung ist in Ordnung“, diesen Satz hören wir Ärzte immer wieder. Leider ist es viel zu spät, wenn man die ersten Anzeichen (Blut im Stuhl, schneller Gewichtsverlust) bemerkt. Und wie sieht es mit dem Stuhltest beim Hausarzt oder Frauenarzt aus, der auf verborgenes Blut testet? Ein solcher Test ist sinnvoll und wichtig, ersetzt aber nicht die Darmspiegelung, weil er nur etwa jede dritte Erkrankung herausfiltert!

Wie so oft, sind es mangelnde oder falsche Informationen, die unbegründete Ängste und Bedenken auslösen. Fragen Sie Ihren Haus- oder Facharzt oder besuchen Sie im Internet die Felix-Burda-Stiftung, die sich schon lange für die Darmkrebs-Vorsorge und -Früherkennung engagiert: www.felix-burda-stiftung.de.  Hier kann man sich sogar eine Darmspiegelung im Film ansehen.

Also, geben Sie sich einen Ruck: Die Darmspiegelung nimmt Ihnen das Risiko einer Krebserkrankung, ist schmerzlos und kostet Sie kein Geld! Wenden Sie sich vertrauensvoll an Ihren Haus- oder Facharzt!