Vorsorge & Prävention

Sortierung > Alphabetisch | Nach Ort

"Rezept" für Bewegung

Praxisnetz Hochtaunus unterstützt aktive Prävention

Von Conny Boland-Biehl

Sportliche Bewegung dient nicht nur dem Erhalt der Gesundheit, sie ist bei vielen Erkrankungen auch therapeutisch wirksam. Die präventive wie heilende Kraft der Bewegung steht auch für das Netzwerk "Sport und Gesundheit" im Mittelpunkt, das 2009 im Hochtaunus-Kreis ins Leben gerufen wurde. Die Netzwerkpartner (Landessportbund Hessen e.V., Landesärztekammer Hessen, Kassenärztliche Vereinigung Hessen) möchten gemeinsam mit dem Sportkreis Hochtaunus e.V., die Bürger des Landkreises zu mehr Bewegung und Sport motivieren bzw. grundsätzlich das Bewusstsein für die Notwendigkeit gesunder sportlicher Aktivitäten schärfen.

"Rezept" für BewegungMan will Impulse setzen und schafft konkrete Angebote. Zum Beispiel, in Kooperation mit  der Ärzteschaft, die Kampagne "Rezept" auf Bewegung, die das Praxisnetz Hochtaunus (PHT) aktiv unterstützt: Der Arzt verschreibt seinen Patienten Bewegung und empfiehlt entsprechende gesundheitsorientierte Sportkurse der Vereine und Volkshochschulen im Kreisgebiet, die extra in einer Broschüre zusammengestellt wurden. Dieser "Wegweiser für Gesundheit und Bewegung", der von der Herz-Kreislaufstärkung über Rücken- oder Krafttraining  bis hin zu Entspannungskursen ein vielfältiges Angebot zusammenstellt, ist in jeder Praxis einzusehen und kann von dort auch mitgenommen werden. Es werden auch Kinder angesprochen – alle Altersstufen. So gibt es zum Beispiel für Krabbelkinder (8-18 Monate) Körper-u. Bewegungserfahrung, Fitnesskurse für Kinder von drei bis fünf Jahren oder Dance-Aerobic für Sieben- bis Elfjährige.

Und: Alle Kurse, die mit dem Qualitätssiegel "Sport pro Gesundheit" gekennzeichnet sind, werden von vielen Krankenkassen unterstützt. Jeder Kursteilnehmer kann sicher sein, dass er von lizensierten Übungsleitern optimal betreut wird. Art und Höhe der Bezuschussung sollte bei der jeweiligen Krankenkasse vorher erfragt werden. Wichtig in diesem Zusammenhang: Das Bewegungs-Rezept an sich stellt keinen Anspruch auf Kassenerstattung dar. Der Kasse muss eine Teilnahmebestätigung eingereicht werden, die jeder Kursleiter gerne ausstellt.

Info

Sport- und Bewegungsangebote im Landkreis Hochtaunus:
-Broschüre "Wegweiser für Gesundheit und Bewegung im Hochtaunuskreis", Landessportbund Hessen e. V. (Auslage in allen Arztpraxen und zu beziehen über Sportkreis Hochtaunus e.V., 06171/923215, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! )
-Im Internet: www.sportprogesundheit.de

Die Jugendgesundheitsuntersuchung

Ein Präventionsangebot der gesetzlichen Krankenkassen

Von Conny Boland-Biehl

Die JugendgesundheitsuntersuchungGesunde Kinder sind unsere Zukunft. Die gesundheitspolitische Brisanz dieses Themas ist unumstritten. Maßnahmen der Gesundheitsfürsorge und Prävention müssen bereits im Kinder- und Jugendalter
greifen. Gleichzeitig sollte jungen Menschen so früh wie möglich Verantwortungsbewusstsein für die eigene Gesundheit vermittelt werden. In diesen gedanklichen Kontext gehört die Jugendgesundheitsuntersuchung. Die sogenannte J1 ist ein Präventionsangebot der gesetzlichen Krankenkassen (seit 1998) für Jugendliche im Alter von 12 bis 14 Jahren. Im Mittelpunkt von J1 steht die Gesunderhaltung. Der Arzt überprüft den Gesundheitszustand und den Impfstatus des Jugendlichen und macht sich ein Bild über seine Gesamtentwicklung: Zunächst werden Körperlänge und Gewicht gemessen sowie ein Seh- und Hörtest
durchgeführt. Es folgt der medizinische Check (Blutdruck, Organuntersuchung, Motorik, Skelettsystem, Hautbeschaffenheit), der auch abklärt, ob bereits chronische Erkrankungen, wie zum Beispiel Diabetes, Bronchitis, Neurodermitis oder Allergien vorliegen. Darüber hinaus werden die jungen Menschen im Gespräch mit dem Thema Prävention und gesunder Lebensstil (Ernährung, Rauchen, Alkohol, Sexualität, Bewegung/Sport, Gefahren von Übergewicht/Fettleibigkeit) vertraut gemacht. Im Fokus der Jugendgesundheitsuntersuchung steht auch das Lebensgefühl und die psychische Verfassung der 12-
bis 14-Jährigen, die sich in einer schwierigen Entwicklungsphase befinden, die von großen körperlichen wie seelischen Umbrüchen geprägt ist. So soll die J1 vor allem auch ein Gesprächsangebot sein. Der Arzt bietet den Jugendlichen die Gelegenheit, geschützt durch die ärztliche Schweigepflicht, Fragen zu stellen
und bestimmte Bereiche (Körper/Sexualität, Ernährung, Drogen) oder Probleme (Schule, Elternhaus) anzusprechen. Erhebungen zeigen, dass die Teilnahme der Jugendlichen an J1 eher mäßig ist, im Laufe der Jahre aber zugenommen hat. Nahmen 2001 nur 25 Prozent der berechtigten Teenager an der kassenfinanzierten Vorsorgeuntersuchung teil, waren es im Jahr 2006 bereits knapp 43 Prozent. Eine unbefriedigende Situation, die vermuten lässt, dass das Angebot mit Eltern und Betroffenen noch nicht ausreichendkommuniziert wurde.

Die Andullationstherapie

Sanfte Behandlungsform für unterschiedliche Beschwerdeformen

Von Conny Boland-Biehl

Die Andullationstherapie wurde von Wissenschaftlern und Gesundheitsexperten entwickelt. Das Therapieverfahren, das auf einer speziellen medizinischen Massageliege angewendet wird, kann arthrosebedingte Schmerzen und Muskelverspannungen lindern und wird angewendet bei: Bandscheibenproblemen, Stoffwechselstörungen, Regenerationsproblemen, Verspannungen und Myogelosen, Migräne, Lymphbeschwerden, Dis-Stress (negativer Stress), Durchblutungsstörungen im tiefenmuskulären Bereich, Ischiasbeschwerden, Rheumabeschwerden, Schlafstörungen, Arthrose.

Was passiert im Körper? Die Andullationstherapie aktiviert in erster Linie die körpereigenen Selbstheilungsmechanismen: Durch die sanften Bewegungen auf der Liege werden, über eine spezielle Frequenz, sämtliche Körperflüssigkeiten in Schwingung versetzt und so Stoffwechselprozesse und Zellaktivitäten angeregt. Infrarot-Tiefenwärme verstärkt diesen Effekt, indem sie die Blutgefäße erweitert, was zu einer besseren Durchblutung der dazugehörigen Gewebe führt.

Auf diese Weise können sich beispielsweise die Rückenmuskulatur oder die Gefäße im Schulter-Nackenbereich intensiv entspannen. Neben der Schmerzlinderung mildert das Andullationsverfahren auch Durchblutungsstörungen. Darüber hinaus verbessert sich im Zuge der Anwendung auch die Stimmungslage sowie die Konzentrations- und Entspannungsfähigkeit. Längerfristig werden schädlichen Auswirkungen von Stress bekämpft. Die Andullationstherapie wird in ärztlichen und physiotherapeutischen Praxen – auch im Praxisnetz –, in Kliniken und Gesundheitszentren angeboten.

Heilkraft Bewegung
Sport als Teil der Therapie

Von Conny Boland-Biehl

Regelmäßige Bewegung fördert die Gesundheit. Das Risiko an Kreislaufbeschwerden, Schlaganfall oder Fettleibigkeit zu erkranken sinkt, die körpereigene Immunabwehr wird grundsätzlich gestärkt. Bewegung und Sport helfen aber auch, wenn man bereits erkrankt ist und kann als Therapiekonzept, die Behandlung von unterschiedlichen Krankheitsbildern und -symptomen begleiten. Moderates sportliches Training hat nachweislich positive Auswirkungen auf den erkrankten Organismus, bestätigen neueste Erkenntnisse von Medizin, Sportwissenschaft und Forschung. Heilkraft BewegungDies gilt für Diabetes, Osteoporose, Rückenbeschwerden, Rheuma/Arthrose, gleichermaßen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Immunschwäche oder Depressionen, und auch für Krebs. Statt Ruhe und Schonung verordnen Ärzte Kranken zunehmend Bewegung und Sport.

Sport und Krebs

Körperliche Aktivität  gewinnt auch als Teil der Krebstherapie  verstärkt  an Bedeutung.

Prof. Dr. Elke Jäger, renommierte Krebsspezialistin und Chefärztin für Onkologie und Hämatologie am Krankenhaus Nordwest in Frankfurt, betont nachdrücklich die Bedeutung des Sports bei der Behandlung Krebskranker. Ihr Projekt "Krebs und Sport", ein Gemeinschaftsprogramm mit den Sportunis Frankfurt und Mainz, will Krebspatienten helfen, die belastenden Therapien besser zu verkraften. Sport- und Bewegungsangebote sollen den Behandlungsprozess aktiv unterstützen. Das Projekt, an dem zur Zeit 150 Patienten teilnehmen, ist eine Initiative der Stiftung "Leben mit Krebs", die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Lebensqualität von an Krebs erkrankten Menschen im Rhein-Main-Gebiet zu verbessern. Jäger gehört dem Vorstand der Stiftung an.

Durch eine konventionelle Krebsbehandlung mit Chemotherapie und Bestrahlung leiden Körper und Seele extrem. Am Nordwestkrankenhaus ergänzt eine sportmedizinische Betreuung ganz bewusst die schulmedizinisch-internistische Therapie. Wohldosierte Bewegung soll helfen, die Behandlung besser zu verkraften.
Heilkraft BewegungEin leichtes Ausdauertraining zum Beispiel belastet die Patientinnen und Patienten mit 70 bis 80 Prozent ihrer momentanen Leistungsfähigkeit (Training im Sauerstoffüberschuss =aerobes Training). Erste Ergebnisse zeigen: Schon nach wenigen Wochen fühlen sich die Betroffenen deutlich leistungsfähiger und optimistischer, ihr Lebensmut hat sich verbessert. Dies gilt auch für Schwerkranke. Offensichtlich spielt das Immunsystem bei der Abwehr und Kontrolle von Tumorerkrankungen eine weitaus größere Rolle als bisher angenommen. Elke Jäger und das Krankenhaus Nordwest sind an weltweiten klinischen Studien beteiligt, die das Gebiet der Tumor-Immunologie intensiv erforschen.

Kinder brauchen Bewegung

Übergewicht bringt nicht nur gesundheitliche Nachteile

Kinder brauchen Bewegung "Frisch, fromm, fröhlich, frei" – vielen ist der Ausruf des Turnvaters Jahn bekannt. Der Appell für mehr Bewegung ist unüberhörbar, doch er verhallt, ohne wahrgenommen zu werden.
Die Folgen sind sichtbar: Immer mehr Kinder nehmen an Gewicht zu. Laut einer Studie der AOK und des Deutschen Sportbundes hat sich in der Altersgruppe der 10- bis 14-Jährigen gezeigt, dass die Beweglichkeit der 10-Jährigen im Jahr 2002 nur noch 70 Prozent der Leistungsfähigkeit von vergleichbaren 10-Jährigen aus dem Jahre 1995 ist. Auch Langzeituntersuchungen zeigen, dass die Bewegung bei Kindern rückläufig ist: Während vor 25 Jahren die Kinder im Durchschnitt noch Rumpfbeugungen machen konnten, und dabei mit der Handfläche den Boden berührten (die Wirbelsäule ist in diesem Alter sehr beweglich), erreichen die Kinder heute die Schuhsohle im Durchschnitt nicht mehr. Aber nicht nur die Beweglichkeit, auch die Ausdauer hat nachgelassen:  Können heute Kinder in sechs Minuten 860 Meter im Durchschnitt laufen, waren sie vor 20 Jahren in der Lage, bei identischer Versuchsanordnung  in derselben Zeit noch 148 Meter im Schnitt mehr zu  laufen. Folge des Bewegungsmangels: Immer mehr übergewichtige, bewegungsarme Kinder, die früh einen sogenannten "Altersdiabetes" entwickeln.

Kinder brauchen Bewegung Bewegungsmangel ist ein Problem, das das Bürgertum seit seinem Aufstieg in Deutschland beschäftigt hat: Im Jahr 1809 war es Wilhelm von Humboldt, der als Sekretär der Kulturabteilung des preußischen Ministeriums anordnete, dass auch "die Erziehungsbehörde das Bedürfnis nach allgemeinen, gymnastischen Übungen lebhaft fühlt, und solche zu einem Hauptbestandteil des Jugendunterrichtes zu machen, ernstlich bedacht ist". Initiativen zu mehr Sport in der Schule und im Alltag gibt es seit den frühen Anfängen unserer Republik: 1958 war es Konrad Adenauer, der zusammen mit Willi Daume nachhaltige Sportpflege forderte. Es folgten die Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger, Helmut Schmidt bis hin zum Bundesminister Wolfgang Schäuble im Jahr 2008. Doch nach wie vor gelingt es nicht, Schulsport in Kindergärten und Grundschulen als festen Bestandteil zu integrieren.

Das Übergewicht macht den Kindern zu schaffen: Sie werden in den Schulklassen von den "Normalgewichtigen" ausgeschlossen. Sie gelten als faul, dumm und wenig einsatzstark. Eine Untersuchung der Tübinger Universität aus dem Jahre 2007 hat es auf den Punkt gebracht: Dicke Kinder werden als wenig sympathisch angesehen und selten als Spielkameraden bevorzugt. Am sympathischsten war den Studienteilnehmern das normalgewichtige Mädchen. Interessanterweise werden körperbehinderte Kinder lieber als Spielkameraden bevorzugt als dicke Kinder. Für dicke Kinder beginnt damit ein Teufelskreislauf. Wegen mangelnder Freundschaften, mangelnder Möglichkeiten zu spielen und zu toben vereinsamen sie, und sie essen mehr aus Frustration. Warum übergewichtige Kinder im Spracherwerb hinterherhinken, ist bisher noch nicht verstanden.

Sicher ist: Dick ist nicht gleich dumm. Aber Übergewicht macht müde, lässt uns faul werden – dies gilt für Groß und Klein gleichermaßen! Medizinisch wissenschaftlich ist eines klar: Der bewegliche Dicke hat die gleiche Lebenserwartung wie der bewegte Schlanke. Das heißt, der faule Dicke und der faule Schlanke haben ein hohes Risiko, früh an Herzkreislauferkrankungen oder Diabetes und deren Folgen zu versterben. In einem Göttinger Schulprojekt wurde sehr schön gezeigt, dass Schulsport bei Kindern die Aufmerksamkeit verbessert und die Gewalttätigkeit in den Schulen nimmt ab. Kinder brauchen Bewegung Selbst die Leistungen in den Schulen werden besser. Der ehemalige Präsident der deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, Professor Dr. Hans Josef Böhles von der Universitätsklinik Frankfurt, hat es auf den Punkt gebracht: 2008 forderte er täglich eine Stunde Sport in den Kindergärten und Grundschulen. Damit würden der Gesundheitszustand und die intellektuelle Leistungsfähigkeit der heranwachsenden Generation erheblich verbessert.

Priv.-Doz. Dr. med. Thomas Konrad
Stoffwechselzentrum Rhein-Main